In der Übergabe erfahren wir von einem Patienten, Herrn Z., der seit fünf Tagen im Hospiz weilt. Er stamme aus Russland und könne ein wenig deutsch. Er sei gerade in der Verweigerungsphase und reagiere häufig aggressiv.

Als wir uns dem Zimmer nähern, geht vor uns gerade ein Pfleger hinein. Wir warten draußen und hören, daß es im Zimmer zu einem kurzen, lautstarken Disput kommt. Der Pfleger tritt wieder in den Flur und macht zu uns nur eine kurze Bemerkung. "Ganz schlechte Stimmung bei Herrn Z.!"

Wir besuchen also zuerst die Patientin im Nebenzimmer, damit sich Herr Z. ein wenig beruhigen kann.

Dann betreten wir das Zimmer von Herrn Z.. Er liegt der Tür abgewandt auf dem Bett, hat sich in sich selbst zurückgezogen und hält die Augen fest geschlossen. Auf unsere Begrüßung reagiert er nicht.

Meine Clownpartnerin und ich beginnen, begleitet von Gitarrenspiel, zu singen. "Kalinka". Als das Lied nach langsamem Beginn immer schneller wird, öffnet Herr Z. plötzlich die Augen, richtet sich auf und schenkt uns ein strahlendes Lächeln.

Wir dürfen für ihn noch ein kleines Lied singen. Dann signalisiert er uns, dass es genug sei. Sehr entspannt legt sich Herr Z. wieder hin.

 

Wir bertreten das Zimmer eines älteren Herrn, der ein großes Mitteilungsbedürfnis hat. Er erzählt aus seinem Leben, von seiner Finca auf Mallorca, vom dortigen Kartoffelacker und dem Weinanbau. Wir hören ihm geduldig zu.

Dann kommt meiner Clownpartnerin die Idee für ein passendes Lied. Spontan wird "Griechischer Wein" umgedichtet auf "Spanischer Wein" und zum Vortrag gebracht. Herr W. ist gerührt. "Ihr seid prima", meint er mit zitternder Stimme. An meine Kollegin Tinta gewandt fragt er: "Sind Sie verheiratet?" "Ja", Tinta ist vergeben. "Aber ich nicht", werfe ich ein. "Was meinen Sie, warum ich hier schon bei Ihnen auf dem Bettrand sitze?"

Ich lege mich nun neben ihn. Er muss herzhaft lachen. Zum Abschied bekommt er von Tinta noch eine "rote Kartoffel" (Clownsnase aus rotem Schaumstoff) geschenkt, die er sich prompt auf die Nase setzen lässt. Eine Ehrenamtliche Mitarbeiterin betritt das Zimmer, als wir ihn verlassen. Sie reicht Herrn W. etwas zu trinken in einem Schnabelbecher an. Die rote Nase leuchtet weiterhin in seinem blassen Gesicht.

 

 

 

In der Übergabe wird uns von einem jüngeren Patienten, Herrn B. berichtet, der apathisch sei und gegenüber dem Personal unzugänglich und abweisend. Wir sind gespannt, was uns in diesem Zimmer erwartet. Wir präsentieren ihm, ohne groß um Erlaubnis zu fragen, einen Rock´n Roll-Klassiker von Elvis. Als ich bemerke, dass er mit der Hand im Takt mitklopft, drücke ich ihm eine Rassel in die Hand, mit der er rhythmisch gegen den Bettgalgen schlägt.

Plötzlich hellwach, erzählt er uns, er habe früher Schlagzeug gespielt und bietet sich an, unser Manager zu werden. Wir sind natürlich begeistert von seinem tollen Angebot. Wir blödeln noch ein bißchen herum und verlassen Herrn B. in beschwingter Stimmung. Als wir abends noch mit der Stationsleiterin sprechen, war ihr berichtet worden, dass sich die gute Stimmung bei dem Patienten gehalten habe, und er nun auch gegenüber dem Personal viel zugänglicher geworden sei.

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